Museum on the Couch #4 Sommersemester 2018

Moc4

Hier finden Sie Bilder und Beschreibungen der studentischen Projekte aus dem Sommersemester 2018.

 

1 „JEE BIMS 1 MASCHINS'S“
Das Völkerkundemuseum begehrt auf und probt die Revolution. Eine kleine Gruppe von Exponaten hat sich von der Ausstellung abgespalten und sich in den Widerstand begeben. Ein Museumsarbeiter wird von „Jee bims 1 maschins's“ angezogen und in Besitz genommen. Nicht nur sein Bewusstsein wird durch die aufbegehrenden Exponate erweitert, sondern auch sein Körper wird optimiert und verwandelt sich zur Maschine der Revolution.

Len-Henrik Busch studiert Theaterwissenschaft (B.A.).

2 TEUFLISCHER PROZESS
Haben Sie Angst vor dem Teufel? Haben Sie Angst, verführt zu werden – zu sündigen? Schauen Sie dem Bösen ins Auge? Widersetzen Sie sich ihm? Oder gehen Sie ihm lieber aus dem Weg?
In dieser Performance werden Sie wortwörtlich mit dem Teufel konfrontiert, dem im christlichen Glauben über die Jahrhunderte hinweg immer neue Gesichter gegeben worden sind. Als Besucher werden Sie aufgefordert, aus der passiven Betrachterrolle herauszutreten und aktiv zu werden und selbst in diesen lebendigen kulturellen Prozess einzugreifen.

Vilja Sinhart studiert Ethnologie (B.A.).

3 SPEAK // THROUGH MY EYES OF THE AUDIENCE
SPEAK… ist eine Performance, die sich um einen radikaleren Dialog zwischen Publikum und Ausstellungsgegenstand bemüht. Der Initiator stellt hierbei eine Forschungs- und Schreibphase eines ‚Anthropo’logen dar, der abseits einer konservierenden Vitrine agiert und sich entsprechend repräsentiert.

Emmanuel Rogge ist Masterstudent in Ethnologie.

4 EVERY HEART A SACRED SECRETS
Die Ethnografischen Sammlungen des GRASSI besitzen Objekte, die aus religiösen oder ethischen Gründen nicht zur Schau gestellt werden – die sogenannten sacred secrets (“heilige Geheimnisse“).
Die Unsichtbarkeit der sacred secrets führt die Spannungen ethnologischer Analysen auf symbolische Weise vor. Was passiert mit dem Subjekt durch das Fehlen des Objekts? Ist es auf sich selbst zurückgeworfen oder benötigt es das Objekt, um sich an ihm reflektieren zu können?

William Karg studiert Linguistik (M.A.).

5 BURIAL OF THE IMMORTAL
Sobald ein Objekt in einer Vitrine platziert wird, verfällt es in einen Schwebezustand. Es ist gefangen zwischen dem Zustand der Unsterblichkeit, ausgelöst durch den Versuch, es für die Ewigkeit aufzubewahren und dem Zustand des Todes, da das Objekt hinter dicken Glaswänden jegliche ursprüngliche Bestimmung und Bedeutung verliert, die es für Menschen einmal hatte. In der Installation wird dieses Paradoxon von toten, jedoch unsterblichen Objekten, aufgegriffen. Der Schlüssel zur wirklichen Wiederbelebung des Objektes ist ein aktives, kreatives und fantasievolles Publikum.

Annika Stange studiert Global Studies (M.A.).

6 KOKON
»The beauty of a Japanese room is in fact predicated on the gradation of shadow. Otherwise there is nothing. « Tanizaki Jun'ichiro
Im Spiel aus Licht und Schatten, aus Offenheit und Geschlossenheit, entsteht mit der Installation Kokon ein schwellenloser, schwebender Raum im Raum, der die Besucher einlädt, die Grenzen zwischen Innen und Außen zu überwinden, einen ungewohnten Zwischenraum zu betreten und die wundersame Ästhetik der Absenz zu erfahren.
Die Installation hinterfragt die geläufigen musealen Schauordnungen und bietet einen sinnlich-ästhetischen Erfahrungsraum, in dem die Stille spricht.

Maria Brannys besitzt einen Bachelor in Ethnologie und in Kulturwissenschaften. Derzeit studiert sie Kultur- und Medienwissenschaften im Master an den Universitäten Leipzig und Weimar.

7 PROPERTIES OF SACRED ART
Die Traumzeitzeichnungen der australischen Aborigines sind eine heilige Kunstform, die die Traumzeit-Legenden, also die Entstehung und Weiterentwicklung des australischen Kontinents durch die Ahnen der Aborigines, abbildet. Mit Aufschwung der Tourismusindustrie in Australien wurden diese Motive jedoch immer wieder missbraucht, d.h. ohne Einwilligung der Urheber für kommerzielle Artikel wie Decken, Poster, etc. verwendet.
Die Installation lädt die Besucher mittels eigenem Erleben zur Reflexion ein.

Nele Pianka studiert Malerei und Grafik an der HGB Leipzig und Lino Sayah-Sepanlou ist Anthropologie-Student (B.A.) an der Universität Leipzig.

8 OTHERING GERMANY
Jemanden für anders zu erklären – „Othering“ – war lange ein unliebsamer Begleiter ethnologischer Arbeit und Ausstellungspraxis. Die Gefahr des Missbrauchs und der Pauschalisierung der Arbeit betrifft auch Völkerkundemuseen; nicht nur aufgrund ihres kolonialen Erbes.
Wir fragen deshalb, ob ein Museum Kultur überhaupt repräsentieren kann. Dargestellt in Film und Objekten wurde diese Frage Menschen nicht-deutscher Herkunft über Deutschland gestellt. Hieraus entstand eine scheinbar umfassende Ausstellung.

Anna-Lisa Reith ist Anthropology (M.A.) Studentin, May Dugast studiert Anthropology im Bachelor, Maarten Koreman ist Masterstudent in Global Studies und William Karg studiert Linguistik im Master.

9 DREAM TRAVELS
Das Reisen wurde zu einem Hobby vieler Menschen des globalen Nordens. Oft reisen „wir“ in Gegenden, die als „exotisch” wahrgenommen werden, besuchen Regionen der „Ureinwohner“ und lernen deren „authentische” Kultur kennen. Wieso machen wir uns nur auf die Suche nach Unterschieden? Sind wir Entdecker oder Konsumenten? Diese Installation bringt Ethnologie und Tourismus zusammen und lädt Gäste dazu ein, über ihre eigenen Reiseerfahrungen zu reflektieren.

Lea Waltner, Ariane Scholz studieren Anthropology im B.A. und Liubov Timonina ist Masterstudentin des Global Studies Programm.

10 MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IM MITTELMEER – ZU POLITISCH FÜR EIN ETHNOGRAPHISCHES MUSEUM?
Dieses Projekt ist eine kritische Auseinandersetzung mit der europäischen Migrationspolitik sowie ihren Auswirkungen für Migrant*innen, insbesondere im Mittelmeer. Die Überfahrt von Libyen nach Italien ist für Personen, die nur illegal (ein)reisen dürfen, lebensbedrohlich und zugleich Streitpunkt vieler politischer Diskussionen und Prozesse. Wir haben Daten und Zitate von staatlichen, transnationalen und nichtstaatlichen Institutionen und Organisationen gesammelt, um die politische Bandbreite der Thematik zu vermitteln und vor allem um den direkten und auf diesem Gebiet oftmals verheerenden Einfluss politischer Prozesse für die gelebten Realitäten von Menschen darzustellen.
Weiterhin stellt dieses Projekt einen Versuch dar, die Grenzen von ethnographischen Museen auszutesten und sie mehr in die Gegenwart zu holen. Inwiefern darf und sollte ein Museum politische Meinungen ausdrücken, als Plattform für Diskussionen dienen oder gar eine aktivistische Rolle einnehmen? Nichts ist unpolitisch, erst recht nicht ein ethnographisches Museum. Innerhalb der Debatte, ob ein Museum als „Tempel oder Forum“ agieren sollte, vertreten wir die Meinung, dass gesellschaftlichen Themen mehr Raum in ebendiesen gegeben werden sollte.

Imogen Pare und Finja Schäfer studieren Geschichte im B.A. und Kashi Street ist Bachelorstudentin in Anthropologie.

Sekretariat

Annette Veit

Tel 0341 97 37 220
Fax 0341 97 37 229
ethnologie@rz.uni-leipzig.de
Öffnungszeiten:
Mo-Do 09-14 Uhr

Direktorin

Ursula Rao

(0341) 97 37 221 
ursula.rao@uni-leipzig.de
Institut für Ethnologie
Schillerstraße 6
04109 Leipzig