MUSEUM ON THE COUCH im WS 15/16

Reflexive und kreative Erforschungen in der Ethnologie

 

6 Installationen | 6 theoretische Fragen | 6 wichtige Einsichten

 

1 House of Spirits - Your Ancestors are Calling

Spätestens jetzt, wo der Mensch der wichtigste Einflussfaktor auf der Erde ist, haben wir uns so tief in die Natur verstrickt, dass sie und wir unweigerlich in Beziehung stehen. So kann man die performative Installation ‚House of Spirits' als Versuch sehen, die Überwindung der Unterscheidung zwischen Kultur und Natur ins Museum zu übertragen. Diese Verflechtung bedeutet jenseits von Klimawandel auch eine Aktualisierung der Moderne. 

Die Installation lädt den Besucher dazu ein, sich fern von seinen individuellen physischen und geistlichen Grenzen durch Kommunikation mit seiner Umwelt zu verbinden. Das Stattfinden im GRASSI Museum wandelt die Institution des ethnologischen Museums in einen Ort an dem sich (Kultur)Geschichte weiterentwickelt und nicht nur auf sie verwiesen wird. Durch die angeleitete Einzelrezeption im Zelt wird dem Besucher eine Umgebung geschaffen, die einen Moment geistiger Klarheit begünstigt und unerwartet empfänglich macht für Geschehnisse außerhalb des Alltagsbewusstseins. Er wird in Beziehung zu seiner Umgebung gesetzt, womit man in das animistische Feld des Relationalen kommt, welches den Menschen als in Verwandtschaft mit inerten Substanzen, Objekten oder Lebewesen versteht und ihnen Handlungsmacht zuspricht. Dadurch wird auch Abgrenzung von Objekt zu Subjekten durchlässig. Dort wo das Selbst das Ergebnis des Aushandelns von Beziehungen ist, stellt sich im Endeffekt auch die Frage, ob die Erfahrungen, die es macht die seinen sind oder ob er durch sie animiert wird.

CLARISSE DESTAILLEUR und JUDITH DE SANTIS

 

2 The Color Project

 

Der Ausgangspunkt dieser kleinen Intervention ist die Idee von der Farbe als machtbehaftetes Mittel musealer Gestaltung. Farbe ist stumm, aber durch alteingesessene Stereotypen und Vorstellungen von nicht-westlichen Kulturen, entpuppt sich Farbe als Informant. Farbe sagt eine Menge aus über die mögliche Herkunft, die Produktionsweise oder die Verwendung eines Objektes. Die Wahl der Wandfarbe innerhalb einer Ausstellung ist also nicht unerheblich. Ein einfaches Farbenspiel macht diesen Farbeffekt sichtbar. Ziel der Installation war es, eine ebenso wortlose Kritik der Farbe im ethnologischen Museum zu schaffen. In erster Linie ist das Farbenprojekt ein Versuch, verstecke Machtverhältnisse traditioneller Ausstellungsdesigns zu enttarnen und deutlich zu benennen.

KATHARINA WISCHER

 

3 Der Hanuman-Tempel – eine multisensoriale Erfahrung

 

Wir alle verbinden bestimmte Orte mit spezifischen Gerüchen, Geräuschen, Geschmäckern und Bildern. Diese Installation ist der Versuch der Rekonstruktion einer solchen Erfahrung. Das Projekt greift die Problematik der Fokussierung ethnologischer Museen auf die überwiegend visuelle Präsentation von Objekten und Themen auf. Es verweist auf die lange vernachlässigte Bedeutung multisensorialer Wahrnehmung als Fundament profunden Verstehens, indem sie diesen kognitiven Prozess zu einer emotionalen Erfahrung macht.

ANTJE BAECKER, ANNA PANAGOS und DIPIKA NADKARNI

 

4 Die Gewürze Indiens – olfaktorische Assoziationen

 

Wenn Sie Zimt, Nelke und Kardamom riechen, woran denken Sie dann? Mit dieser Installation möchten wir auf die Bedeutsamkeit olfaktorischer Wahrnehmung aufmerksam machen. Indem wir Sie im Kontext eines indischen Rundhauses mittels Ihres Geruchsinns auf die Reise in die deutsche Küche schicken, wollen wird gleichzeitig auf die Vernetztheit und Hybridität aller Kulturen verweisen und verdeutlichen, dass Authentizität ein soziales Konstrukt darstellt.

 ANTJE BAECKER, ANNA PANAGOS und DIPIKA NADKARNI

 

5 A Plastic Culture

 

Wir bieten Ihnen diesen globalen Sitzplatz an und laden Sie ein, auf einem Plastikstuhl durch Vorgärten, Strandhütten, Berglandschaften und Großstädte zu reisen. Mit ihrer Materialität stehen Plastikstühle im Gegensatz zu der zahlreicher regionalspezifischer Objekte, die in den Vitrinen des Museums präsentiert werden. Hingegen finden Objekte aus Plastik heute in jedem Teil des Globus, in den entferntesten Winkeln der Erde, Verwendung.

Gibt es also eine „Plastic Culture“ bzw. Kulturen aus Plastik? Wir meinen ja, denn „Global items“ wie Plastikstühle werden kulturell angeeignet. Ersichtlich wird dies an den regionalen Präferenzen für bestimmte Formen und Farben.

ANTJE BAECKER, INGA ALBRECHT, JOSEFINE STÜRKEL, JGA PRZGRODZKA und ANNA SAUER

 

6 Inside-Out - Ideale Objekte in Verpackung

 

Ausstellungsobjekte kommen verpackt zu uns. Sie lagern klimatisiert. Ein Großteil der Objekte ist im Museum nicht sichtbar, bekommt aber nach dem Erwerb Zuwendungen in Archivierung und Lagerung. Diese Installation möchte dem investierten Aufwand nachfühlen. Deshalb präsentiert sie die Objekte unsichtbar und stellt ihre Verpackung und ihren geschätzten (symbolischen) Geldwert aus.

BASTIAN GOTTSCHLING und SIMON STOECKLE

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