Personalgeschichte

Institut für Ethnologie unter Bernhard Streck

Bernhard Streck hat das Institut für Ethnologie in Jahren 1994 bis 2010 geleitet und in der schwierigen Nachwendezeit mit Ethusiasmus geprägt. In seinen Publikationen setzt sich Streck intensiv mit der Geschichte seines Faches auseinander. Er forscht und schreibt zu einer Vielzahl von Themen wie dem interkulturellen Vergleich, zur komplexen Gesellschaft, zur Religionsethnologie, zur Tsiganologie, über Regionen vom Nahen Osten bis Nordostafrika. Bernhard Strecks neueste Publikation ist das auf seiner religionsethnologischen Vorlesung beruhende Buch "Sterbendes Heidentum" (2013). Es behandelt das Konstrukt der Glaubenswelt unserer Vorfahren, die aus der von monotheistischen Vorstellungen geprägten Sicht oft abwertend oder skeptisch als heidnisch beschrieben wurde. Der Autor führt darin die Einsichten zahlreicher Missionare und Ethnologen zusammen und enthüllt Parallelen zwischen frühen Glaubenskulturen.

 

Lehr- und Forschungsbereich für Ethnographie "Julius Lips" unter Dietrich Treide (1971-1993)

Im Jahr 1968 übernahm Dietrich Treide zunächst die kommissarische Leitung des Instituts, das jedoch in seiner bisherigen Form aufgelöst wurde. Im Verlauf der 3. Hochschulreform wurde die Sektion Afrika- und Nahostwissenschaften an der Universität Leipzig gegründet. Hierin sollte die Ethnologie lediglich als "Fachgruppe" vertreten sein, wurde jedoch schließlich neben anderen Lehr- und Forschungsbereichen 1971 als Lehr- und Forschungsbereich für Ethnographie anerkannt. Die Leitung hatte bis 1993 Dietrich Treide.


Ethnologisches Institut/Institut für Vergleichende Rechtssoziologie unter Julius Lips (1949-1951) / Julius Lips Institut für Ethnologie und Vergleichende Rechtssoziologie unter Eva Lips (1951-1968)

Im Oktober 1948 kehrten Julius Lips (1895-1950) und Eva Lips (1906-1988) aus ihrer Emigration nach Europa zurück. Julius Lips übernahm das Ordinariat für Ethnologie und vergleichende Rechtssoziologie an der Universität Leipzig. Im Dezember des selben Jahres wurde er zum Direktor des Ethnologischen Instituts und rund zehn Monate später zum Universitätsrektor ernannt. Das Institut erhielt mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Recht eine neue Ausrichtung. Julius Lips starb am 21.1.1950 im Alter von 54 Jahren. Im April 1950 konnte Eva Lips die Geschäftsleitung des Instituts übernehmen, das nun den Namen Julius Lips-Institut für Ethnologie und Vergleichende Rechtssoziologie erhielt. Offizieller Leiter des Instituts war vorübergehend Ferdinand Hestermann (1878-1959) aus Jena.

Bei all seinen Feldforschungen und den damit verbundenen Ausarbeitungen war Eva Lips die engste Mitarbeiterin von Julius Lips gewesen, ohne dass sie ein ordentliches Studium absolviert hätte. Sie promovierte im März 1951 und wurde 2 Monate später Kommissarische Direktorin des Instituts. 1954 habilitierte sie sich. Eva Lips war in unterschiedlichen Ausschüssen tätig, hatte 1954 die Lehrbefugnis für Ethnologie und vergleichende Rechtssoziologie erhalten und wurde 1960 zur Professorin mit vollem Lehrauftrag, 1966 zur Professorin mit Lehrstuhl ernannt und im selben Jahr emeritiert. 1987 erhielt Eva Lips die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde. Im Jahr darauf starb sie am 24. Juni.

Thematischer Schwerpunkt am Institut waren während jener Jahre die wirtschaftlichen Ver-hältnisse als Basis einer Kultur, während man sich regional insbesondere auf Afrika, aber auch auf Amerika konzentrierte, wo das Ehepaar Lips während der NS-Zeit in Emigration gelebt hatte. Von 1962 bis 1968 wurde in Leipzig - von wenigen Ausnahmen abgesehen - ein Immatrikulationsstop für das Hauptfach Ethnologie verhängt, offensichtlich aufgrund unbefriedigender marxistischer Grundausbildung der Studierenden sowie mangelnder Berufsaussichten für Ethnologie-Absolventen. In jenen Jahren konnte die Ausbildung ausländischer Studierender verstärkt fortgeführt, Ethnologie gewissermaßen als Zusatzstudium angeboten und erstmals Teilbereiche der Soziologie in das Ethnologie-Studium integriert werden.


Ethnologisch-Anthropologisches Institut unter Egon Freiherr von Eickstedt (1945/46) / Institut für Ethnologie unter Eduard Erkes (1946-1949)

Am 16.4.1945 besetzte die US-amerikanische Armee Leipzig. Nach der Verhaftung Reches bekam im September 1945 Egon Freiherr von Eickstedt (1892-1965) den vakanten Lehrstuhl angeboten. Kommissarischer Leiter des Ethnologisch-anthropologischen Instituts war der Dekan der Philosophischen Fakultät Hans Georg Gadamer. Der Institutsbetrieb wurde jedoch im Wesentlichen durch Eickstedts Assistentin Ilse Schwidetzky (1907-1997) aufrecht erhalten.

 

Im August 1946 verliess Eickstedt kurz nach seiner Untersuchungshaft durch die russische Besatzungsmacht Leipzig. Im November des selben Jahres wurde Eduard Erkes (1891-1958), außerplanmäßiger Professor, zum stellvertretenden Leiter (kommissarischer Rektor) des Ethnologisch-Anthropologischen Instituts ernannt. Erkes schloss die Anthropologie aus dem Institut aus.

 

 

Ethnologisch-Anthropologisches Institut / Institut für Rassenkunde unter Otto Reche (1927-1945)

Die Personalunion, in der Museum und Ethnographisches Seminar vertreten wurde, löste man 1927 auf. Fritz Krause blieb Direktor des Museums für Völkerkunde, während zum 1. September 1927 Otto Reche (1879-1966) die Leitung des Universitäts- sowie des Staat-lich-Sächsischen Forschungsinstituts übernahm. Reche war zuvor Leiter des Anthropologisch-Ethnographischen Instituts in Wien gewesen und ließ mit seinem Amtsantritt in Leipzig das Ethnographische Seminar in Ethnologisch-Anthropologisches Institut umbenennen. Wäh-rend weiterhin völkerkundliche Expeditionen mit Mitteln des Forschungsinstituts finanziert wurden, beteiligten sich viele Angehörige des Ethnologisch-Anthropologischen Instituts künf-tig an unterschiedlichen anthropologischen Erhebungen insbesondere in Sachsen. Reche ver-legte den Sitz der Deutschen Gesellschaft für Blutgruppenforschung, deren Mitbegründer er 1926 in Wien gewesen war und für die er als 1. Vorsitzender fungierte, nach Leipzig. 1932 baute er die Ortsgruppe Leipzig der Gesellschaft für Rassenhygiene mit auf und übernahm auch hier den 1. Vorsitz. Am 17. November 1933 wurde das Leipziger Ethnologisch-Anthropologische Institut erneut umbenannt in Institut für Rassen- und Völkerkunde. Otto Reche stand während der Zeit des Nationalsozialismus in Kontakt mit unterschiedlichen NS-Organisationen, war mit der Erstellung rassenkundlicher Abstammungsgutachten beauftragt und intensivierte seine anthropologischen Erhebungen bei unterschiedlichen Bevölkerungs-gruppen, vor allem aber bei den Sorben. 1945 wurde er von den US-Amerikanern festgenommen.

Dieser Unterbestand hat einen Umfang von mehr als fünf Metern. Darunter befinden sich Akten zu den anthropologischen Erhebungen in Deutschland nebst Karteikästen und Fotoplatten, sowie Dokumente der Deutschen Gesellschaft für Blutgruppenforschung, deren Unterlagen Reche bei seinem Umzug nach Leipzig mitgenommen hatte. Ebenso liegen Schriftstücke der Ortsgruppe Leipzig der Gesellschaft für Rassenhygiene vor. Für beide Gesellschaften gilt jedoch, dass es sich hier insbesondere um Dokumente bis zum Jahr 1938 handelt.


Staatlich-sächsisches Forschungsinstitut (1914-1936)

Im Jahr, in dem Weule das Ethnographische Seminar genehmigt bekam, wurde gleichfalls am 1. November 1914 das Forschungsinstitut für Völkerkunde als eins von zehn der Staatlich-Sächsischen Forschungsinstitute gegründet, die durch die König Friedrich August-Stiftung für wissenschaftliche Forschung zu Leipzig sowie mit staatlichen und städtischen Mitteln finanziert wurden. Diese Institute waren institutionell von der Universität unabhängige Forschungsinstitute, die jedoch dem jeweiligen Rektor des entsprechenden Universitätsinstituts unterstellt wurden. Weule war damit sowohl Direktor des städtischen Museums für Völkerkunde zu Leipzig als auch Leiter des Staatlich-sächsischen Forschungsinstituts für Völkerkun-de sowie des universitären Ethnographischen Seminars. Mit Geldern des Forschungsinstituts wurden künftig einzelne Projekte, Forschungsreisen und Veröffentlichungen gefördert und Stellen eingerichtet. Nach dem Tod von Weule übernahm Fritz Krause (1886-1963) vertretungsweise die Leitung des Ethnograpischen Seminars, des Museums und des Forschungsinstituts. Die geschäftlichen Angelegenheiten des Ethnographischen Seminars wurden vorerst Hans Plischke (1890-1972) übertragen.

Als 1927 Otto Reche am akademischen Institut die Nachfolgerschaft von Weule antrat, übernahm er auch die Leitung des Staatlich-sächsischen Forschungsinstituts für Völkerkunde. 1936 erfolgte aus finanziellen Gründen die Auflösung des Forschungsinstituts.


Ethnographisches Seminar unter Karl Weule (1914-1926)

Das heutige Institut für Ethnologie ist das älteste deutsche akademische Institut für das Fach Völkerkunde. Es ist am 28. Januar 1914 als Ethnographisches Seminar gegründet und Karl Weule (1864-1926) unterstellt worden. Weule hatte bereits seit 1901 einen Lehrstuhl für Ethnographie und Urgeschichte in Leipzig inne und war 1906 zum Direktor des Museums für Völkerkunde zu Leipzig ernannt worden. Sein Interresse galt vor allem den deutschen Kolonien in Afrika. Die Vorlesungen und Übungen zur Völkerkunde hielt er zu Beginn noch im Völkerkunde-Museum am heutigen Wilhelm Leuschner-Platz, später jedoch, aufgrund der wachsenden Zahl von Studierenden, im Universitätsgebäude. Kurz vor dem Umzug in das neue Grassimuseum starb Weule am 19. April 1926 im Alter von 62 Jahren.

Die Bilder auf diesen Seiten entstammen dem Leipziger Universitätsarchiv.

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