Symposium zur Zukunft der Ethnologie

trioWie gestaltet sich die Zukunft der Ethnologie und inwieweit kann das Fach sich in aktuelle gesellschaftliche Debatten einbringen? Auf dem Symposium am 7. November 2014 präsentierten drei Referent_innen ausgehend von ihren Forschungsschwerpunkten Ansätze, wie diese Zukunft aussehen kann.

 

 

 

eisenlohrProf. Dr. Patrick Eisenlohr
Zentrum für moderne Indienstudien, Georg-August-Universität Göttingen, Deutschland

Der Eurozentrismus in sozial- und geisteswissenschaftlichen Diskursen, der eine Dominanz euro- und nordamerikanischer Wissensproduktion vorausgeht, ist im 21. Jahrhundert immer noch nicht überwunden. Das Ziel der Ethnologie sollte es sein, die Wissensproduktion hin zum "Rest der Welt" zu re-zentrieren. Mit einem Anspruch, diesen Schiefstand zu korrigieren, kann die Ethnologie die Prozesse der Moderne maßgeblich beeinflussen. Prof. Dr. Eisenlohr sieht in der Übersetzung einen Schlüsselbegriff. Als eine Wissenschaft der kulturellen Vielfalt nimmt die Ethnologie in der Übersetzungsarbeit, sowohl in der Forschung, als auch in der Theorie und in ihrer Methodik, eine wichtige Rolle ein. Das Ziel bzw. das Potential der Ethnologie besteht darin, universale Kategorien, denen eine westliche Ideologie zugrunde liegen, zu destabilisieren und neu zu denken.

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behrendsDr. Andrea Behrends
Seminar für Ethnologie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland

Wie kann eine gemeinsame Wissensproduktion zwischen Forscher und Erforschten stattfinden? Ausgehend vom theoretischen Konzept der „travelling models" versucht Behrends die Ethnologie als wanderndes Modell in der Forschungspraxis und in der Wissensproduktion zu durchdenken. Trotz struktureller Ungleichheiten der Forschungspartner können eigene und fremde Methoden kombiniert werden, neue Argumente konstruiert und weitestgehend Forschungsfragen re-formuliert werden. Am Beispiel der US-amerikanischen Anthropologin Elisabeth Povinelli zeigte Behrends wie gemeinsames Forschen möglich ist.

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eckertProf. Dr. Julia Eckert
Institut für Sozialanthropologie, Universität Bern, Schweiz

Die Suche nach Differenzen verhindert, Gemeinsamkeiten zu ergründen. Eckert plädiert deshalb Differenzen bzw. die Andersartigkeit in Relation zu uns selbst zu beschreiben, um so soziale Phänomene in ihren engsten Verflechtungen zu verstehen und Machtstrukturen zu analysieren. Dies sei gleichzeitig ein politisches Unterfangen. Sie stellt sich die Frage: wer wird in bestimmten Situationen wie bemächtigt?

 

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